Dezember Inspiration

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“Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.” Albert Camus

Nun ist er da, der Dezember. Der letzte Monat des Jahres. Der dunkelste Monat des Jahres. Das Licht des Tages vermag die Wolkendecke kaum zu durchdringen. Ist der Nachmittag angebrochen, dunkelt es wieder ein. Sogar seine Farben sind schwer. Von Blau bis Grau finden wir alle Tiefen. Gehen wir in den Wald ist es still. Fast andächtig still. Die meisten Bewohner des Waldes sind in einen tiefen Winterschlaf versunken. Und der Rest, der geht wie auf Zehenspitzen. So scheint es mir. Ich mag den Wald im Dezember. Im Verlaufe des Jahres fühle ich mich oft als Besucher. Der Dezember aber, der ist anders. Auch ich bin leise und still. Ich werde zur Verbündeten. Sachte schreite ich durch den Wald. Denn tief unten in der Erde, gut versteckt, warten unzählige Nüsse, Samen und Keime auf den Zeitpunkt des Erwachens. In Gedanken sehe ich ein winziges Samenkorn vor mir. Er schläft tief und traumlos. Warm und geborgen fühlt es sich in der Erde. Denn draussen ist es kalt. Schnee dämpft alle Geräusche. Es sind zeitlose Augenblicke. Der Wald und seine Bewohner gönnen sich Ruhe. Denn schon bald steht ein wunderbares Ereignis bevor. Die Wintersonnenwende. Von diesem Zeitpunkt an werden die Tage wieder länger. Die längste Nacht findet ihr Ende. Die Sonne kehrt ihre Aufmerksamkeit wieder unseren Breitengraden zu. Noch darf das Samenkorn für ein paar Wochen weiterschlafen. Doch der Hebel wurde gesetzt und unaufhaltsam wird es von Tag zu Tag heller, wärmer und freundlicher. Es ist das Licht, das alles verändert. Die Schatten verlieren ihre Tiefe. Und irgendwann, wenn der Zeitpunkt da ist, wird das Samenkorn von der Wärme und dem Leben ringsum wach gekitzelt und erwacht.

Die Wintersonnenwende steht symbolisch für das Licht. Das Licht, das im ewigen Kreislauf immer wieder zurückkehrt und neu geboren wird. Die Natur zeigt uns, dass die längste Nacht des Jahres gleichzeitig auch die hoffnungsvollste ist. Sie gibt uns Vertrauen, Mut und Kraft. Und gleichzeitig steht sie auch für all die kleinen Samenkörner, die geweckt werden möchten. Sie alle möchten aus dem tiefen Bewusstsein der Erde hervorkommen und scheinen, blühen, gedeihen. Die Wintersonnenwende ist deshalb auch ein wunderbarer Moment, in die eigene Tiefe zu gehen. Was gibt es da Verborgenes zu entdecken? Was hatte noch keinen Raum, um hervorzukommen? Was soll im Verlaufe des Jahres wachsen und im Licht scheinen?

Gönnt euch im Trubel der Feiertage ein paar Stunden draussen in der Natur. Und wenn ihr die wunderbare Stille spürt, denkt an das Samenkorn. Es schläft vielleicht noch, doch wenn ihr wollt, habt die Kraft es zum Leben zu erwecken. Denn das Licht, das seid auch ihr.

Ich wünsche euch lichtvolle Stunden im Dezember.