Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche

Blick von der Rigi Juni 2019

Blick von der Rigi Juni 2019

Die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche stellt einen ganz speziellen Schwellenmoment im Jahresverlauf dar. Der Tag ist an diesem Tag genau gleich lang, wie die Nacht. Nur zweimal im Jahr haben wir dieses Phänomen. Im Frühling sowie im Herbst. Unsere Vorfahren markierten diesen Tag mit dem Beginn der Ernte-Dank-Feste. Die Ernte des Jahres war eingebracht, es durfte gefeiert werden. Auch heute noch erleben wir in gewissen Dörfern und Städten diese Feste in Form von Wein-, Zwiebel-, Hopfen- oder Kartoffelfeste. Brunnen, Häuser, Kapellen und Kirchen werden mit Weizen, Blumen, Zwiebelringen dekoriert. Die Stimmung ist ausgelassen, gelöst.

Ich mag die Qualität der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche sehr. Denn der Tag lädt mich dazu ein Inne zu halten. Rückblickend die letzten Monate zu betrachten und Dankbarkeit zu fühlen. Für alles, was erreicht wurde. Für alles, was sein durfte. Ich empfinde das Jahresfest wie einen Sonnenuntergang. Voller Staunen und Bewunderung schaue ich diesem Farbenspiel der Sonne zu. Dieses Spannungsfeld aus Tag und Nacht. Beide Qualitäten halten sich beim Sonnenuntergang die Waage. Und dann, geht die Sonne unter und die Nacht hält Einzug.

Gönn dir zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche einen Moment der Ruhe und Besinnlichkeit. Schau zurück. Würdige das Jahr und sei wohlwollend. Schau nach vorne und nimm ein Gefühl von Dankbarkeit mit in die verbleibenden Monate bis zum Jahresende. Von diesem Tag an, werden die Nächte wieder länger. Wir tauchen ein in die dunklere Jahreshälfte. Wehmut und Melancholie können hervorkommen. Doch sei dir bewusst, genauso wie wir die Nacht zum Ausruhen benötigen, ist der Winter dazu da, alles in uns zur Ruhe zu bringen. Ich entzünde an diesem Tag immer sehr gerne eine Kerze. Sie symbolisiert das Licht, das ich in die dunklere Jahreshälfte mittragen will. Wenn ich unterwegs bin, gehe ich auch gerne in Kirchen oder Kapellen hinein und zünde dort eine Kerze an. Sie soll auch meinen Liebsten Licht bringen. Es sind solch kleine Rituale, die einem gut tun und uns erden. Dabei muss man gar nicht der jeweiligen Kirche angehören. Meiner Meinung nach zeugt schon der Akt an und für sich pure Menschlichkeit und Liebe. Das alleine ist genug.

Geniess die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche. Geniess diesen Sonnenuntergang und geht frohen Mutes und voller Dankbarkeit in die dunklere Jahreshälfte hinein.